Sonntag, 20. Januar 2013

Westcoast!


So liebe Leserschaft, wenn man die 5 Hansel die tatsächlich öfter mal reinschauen so nennen darf (nicht dass ich euch beleidigen möchte. Ihr seid super, weiter so ;) ), ich bin auf Reise und damit wieder interessant.

Am 16. abends bei so vielen im Paradiso verabschiedet wie möglich, am 17. morgens Alice und Meike noch ciao gesagt und in die Stadt, den Bus Richtung Greymouth genommen. Das ganze war dann eher unspektakulär, die Landschaft war mir bis Westport bereits bekannt. Hügelig bis man an der Küste ankommt, die dann doch größtenteils schroff direkt am Meer endet, was einen ebenen Straßenverlauf unmöglich macht.

Ein kurzer Zwischenhalt in Punakaki war so ziemlich das einzig krass interessante, immerhin sind hier die Pancake Rocks, die ihrem Namen dann doch alle Ehre machen. Hier wechseln sich stärker und schwächer verdichtete Gesteinsschichten horizontal ab, und die ganze Formation wurde wohl seit ein paar Tausend Jahren abgetragen. Das Ergebnis sind Formationen, die aussehen, als hätte man (teilweise etwas unförmige) Pfannkuchen aufeinander gestapelt. Sehr beeindruckend, wir mussten uns aber beeilen, da der Bus schnell weiter wollte.

Greymouth selbst empand ich als aller erstes als recht schnuckliges Kleinstädtchen, zumal es da sogar so einen richtigen Bahnhof wie in alten Wildwestfilmen gibt. Das Backpacker war schon gebucht und ist eigentlich ziemlich cool, Zimmer mit Tier-Themen, mein erstes war das Kiwi-Zimmer, in dem ein paar Kiwis typische Adrenalin-Aktivitäten vormachen: Skydive, Bungee etc.

Da war ich aber nur kurz, meine größte Sorge war mein komplett zugeschlossenes Ohr das ich behandeln lassen wollte. Die nette Apothekerin konnte mir nich arg weiterhelfen, lediglich an das Doktorenhaus verweisen.
Das ist am anderen Ende der Stadt, also Fahrrad ausgeliehen, hingetingelt und gesagt bekommen, dass man nichts für mich tun kann, ohne Termin und so. Kommt mir irgendwie bekannt vor, in Freiburg hatte ich mal ein ähnliches Problem, aber egal. Die nette Schwester konnte mich dann aber weiterverweisen, also bin ich ins lokale Health Center zurückgefahren (lag praktischerweise genau auf dem Weg zum Hostel).
Das war direkt alles Amerikanisch: An der Rezeption werde ich kurz angeschaut, dann darf ich einen Fragebogen ausfüllen und mich ins Wartezimmer setzen, um auf eine Oberschwester zu warten. Wie in den Staaten ist es hier wohl üblich, zuerst eine Schwester zu sehen, bevor der Doktor einem kurz die Hand schüttelt und das unterschreibt, was die Schwester schon seit bestimmt einer viertel Stunde rausgefunden und verschrieben hat.
Die Schwester war aber auch cool und hat mir alle international gültigen Kürzel für Rezepte erklärt, das Blutdruckmessen beigebracht (130/100, ich weiß, miserabel) und kostenlose Schmerzmittel zugesteckt.
Naja, langer Rede kurzer Sinn, ich darf mir 3 mal am Tag Antibiotika in die Ohren tropfen. Danach direkt eine Brauereitour gebucht und zum Megges, Basis anfuttern. Musste an dem Abend passieren, ich muss ja Antibiotika nehmen.

Die Monteith's Brewery in Greymouth ist für jemand, der schonmal in einer deutschen Brauerei war, eher lustig anzuschauen. Es gibt grade mal vier große Tanks, die Befüllung ist aus einzelnen Teilen zusammengeschraubt und wohl von einem Mitarbeiter erdacht, der etwas erfinderisch war.
Highlight der 20-Minütigen Tour: Die 3 ½ Bier, die es danach gibt. Dabei zwei nette Typen aus der Eifel kennengelernt und einer Engländerin zu einem kostenlosen Monteith's-Glas verholfen bevor es zum Hostel zurückging. Da war im Gemeinschaftsraum schon irgendwie eine kleine Gruppe in Gange, und es wurde Pictionary gespielt bis uns der Eigentümer ins Bett geschickt hat, weil wir zu laut sind.

Der Tag danach war eher lahm, ich hatte genug Zeit, um alle 3 Alien-Filme vor 5:30 abends durchzuschauen, da ich eher flach liege mit Antibiotika irgend einer Art. Das geplante Abendessen bei einem 6$-BBQ fiel leider aus, das war keine aktuelle Info, also nochmal einkaufen und Landjägerpfanne gemacht.

Plötzlich steht Tina aus dem Paradiso in der Tür.

Ich wusste, dass die zwei mich verfolgen, aber dass sie so fix sind dachte ich dann doch nicht. Naja, also ausgemacht, am nächsten Tag zusammen zu fahren. Es ging nach Franz Josef, das Dorf bei dem gleichnamigen Gletscher.
Auf dem Weg allerdings musste in Hokitika, einer schnuckligen Kleinstadt haltgemacht werden, die für die Verarbeitung von Jade bekannt ist. Eine Galerie dort haben wir uns auch angeschaut, und es ist schon beeindruckend, was die aus so kleinen Stückchen Stein alles rauskünstlern. Filigrane Formen und ganz kleine Ärmchen an manchen Anhängern lassen mich zweifeln, ob das wohl lange hält, der Preis ist aber sowieso so witzlos hoch dass wir nur kucken, nichts anfassen.
In Franz Josef selbst dann schnell in ein Hostel, wo das Wetter allerdings jeglichem Spaß einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Hot Pools konnten wir nicht besuchen, weil Tina und ich immernoch die Krätze hatten, und das Wildlife-Center war uns zu teuer, also beschränkten wir uns wieder auf einen Filmeabend.

Das war gestern. Heute gings nachdem ich mit meinem Israelischen Zimmerkameraden konversiert hatte, nach Wanaka. Die Route führt wieder an der Küste entlang, erst musste aber am Fox Glacier Halt gemacht werden.

Ich will euch nicht anlügen, als wir da ankamen, war das Wetter beschissen. Nieselregen, recht zugezogen etc. Die Landschaft allein am Parkplatz ist aber schon beeindruckend, über einem ca. 200m breites Flussbett kann man an der anderen Seite eine steile Felswand sehen, die auch etwa 200m in die Höhe ragt.
Wir machen uns also auf in Richtung Gletscherzunge (so heist das glaub ich), und das Wetter spielt uns in die Karten. Als wir ankommen, ist tatsächlich etwas Sonnenschein und stellenweise blauer Himmel zu sehen, was wir natürlich sofort ausnutzen. Fotoshoot.

Das besondere an diesem Ort ist nicht etwa 'Boah kuck mal, da is Eis' sondern 'Boah kuck mal, da is Eis und ich kann im T-Shirt hier zwischen all der grünen (nicht im unmittelbaren Umfeld) Natur stehn'. Die beiden Gletscher hier sind eine der wenigen, die in Regenwäldern enden. 300 m üNN.
Auf den Weg zum Auto muss dann wohl ein Stück Gletscher abgebrochen sein, denn der Fluss war plötzlich mit Stückchen Eis übersäht. Also ich als Power-Abenteurer einen kleinen Abhang runter und ein Stück rausgefischt.

Gletschereis hat folgende Eigenschaften: Kalt, und sehr klar, kein Blaustich wie das Eismassiv, von dem es kommt. Auf kalt hättet ihr eventuell selber kommen können, aber ja, ich will ja auch die kognitiv Benachteiligten nicht ausschließen ;).

Das Stück also in die Eisbox und back on the road. Auf dem Weg hören wir das Hörbuch 'Das Känguru-Manifest', das ich jedem nur empfehlen kann (Wenn ihr mich fragt [Das ist ein Witz. Wers angehört hat, wird das verstehen]). Es geht um einen Berliner Kleinkünstler, bei dem ein kommunistisches Känguru eingezogen ist. Den Rest sollte man vom Buch oder Hörbuch erfahren, das Hörbuch ist außerdem hervorragend gelesen.

Naja, die Strecke ist lang nach Wanaka. Erst, als wir Lake Wanaka erreichen, wird das wieder etwas interessant, da hier ein von Gletschern und Gebirgsquellen gespeißter See mitten zwischen den Bergen steht. Es ist windig, aber warm genug, also machen wir einen kleinen Rundlauf um einen der Campingplätze, die wie eine Halbinsel in die sonst glatte Seekante schneiden.
Das ganze erinnert mich ein wenig an die Seen, die ich 2009 gesehen habe, als wir aus dem Yosemitee-Nationalpark nach Norden gefahren sind. Auf jeden Fall beeindruckend, wartet also auf ein paar Bilder.

Von dort ist es nicht mehr weit, und ich checke in mein bereits vorher angefragtes Hostel ein. Tina und Philipp wollen im Van schlafen, und fahren entsprechend zu einer der Camsites in der Stadt. Wir verabreden uns auf Kino morgen abend, Wanaka hat ein berühmt-berüchtigtes Kino, in dem Essen serviert wird, und in dem in der Pause wohl kostenfrei warme, hausgemachte Kekse gereicht werden. Was will man mehr?
Naja, und nun sitze ich hier. Meine Planung für morgen ist der Roy's Peak Walk, angeschlagen mit 5-6 Stunden und 1100m Höhengewinn. Kann nicht so schlimm sein, vielleicht findet sich heute abend noch jemand, der das auch morgen vorhat, dann hätte ich schonmal Gesellschaft.

Hakuna Matata

Donnerstag, 10. Januar 2013

Hitting the Road... soon.

Well, it ain't always sunshine in paradise(o). Eigentlich ja schon. Aber heut hats geregnet, erstes mal in gefühlt 4 Wochen.

Aber das Wetter is ja nich das einzige was sich hier nich so verhält wie es sollte. Das Backpackerleben scheint einfach zu sein, aber nicht immer einfach einfach.
Ich bin beschäftigt in letzter Zeit, ein Vormittag besteht daraus, dass ich den Ghostbuster-Rucksack anziehe und durch die Räume gehe, immer mit einer Entschuldigung auf den Lippen, weils mir ja so leid tut, diese viel Geld bezahlenden Gäste kurz zu stören. Ich hasse mittlerweile nicht nur reiche Snobs (hab ich im Hotelwesen mitgenommen), sondern mittlerweile fast alle Menschen im allgemeinen.

Dann habe ich von 12 bis eins Zeit mich zu duschen und kurz irgendwas zu Mittag zu kochen und zu essen, bevor ich dann frisch und motiviert im Cafe erscheinen darf. Da hab ich mittlerweile die Faulheit meiner Kiwi-Kollegen vollkommen übernommen, steh also so lang rum bis mich jemand irgendwo hinschickt. Und ich arbeite trotzdem noch viel mehr als der Rest.
Die letzte Woche bestand ausschließlich aus Arbeit, da wir ein Jazzfestival und somit lange Nachtschichten anstanden. Es gab gutes Geld, aber Leben war eher nich so. Man wusste im Hostel garnich mehr, wo ich eigentlich bin, nur die WWOOFer haben mich morgens gesehen bevor ich dann abhauen musste und mitten in der Nacht ins Bett gefallen bin.

Naja, das ist so alles, was arbeitsmäßig passiert ist. Das wenige Soziale Leben, das ich hatte, beschränkt sich leider auf Abschiede.

Gute Freunde, die mir hier wirklich ein wenig ans Herz gewachsen sind, sind in der letzten Woche alle abgehauen. David und Andrew, unsere beiden Amerikaner, sind leider beide weitergezogen, Lisa und Sue aus Fellbach haben sich nach Auckland aufgemacht, Ben und und Raphi habens auch Richtung Heimat angepackt (Nicht ohne mir als würdig gewordenen Erben ein Erdinger-Weizenglas zu vermachen, das ich fast religiös verehre), mein französischer Mitbewohner Kevin ist weitergereist, Eleonora ist in Auckland, und im laufe der nächsten paar Tage werden sich unsere beiden Briten Joe und Scott verabschieden, Tami aus Frankfurt zieht weiter, und Neil, der Kiwi, der fast allen hier sehr ans Herz gewachsen ist, zieht nach Auckland.

Es sieht düster aus um mich herum. Ich höre bald auf zu WWOOFen und versuche, ab Montag nicht mehr zu arbeiten. Der Bus ist für Donnerstag nach Greymouth gebucht. 

Ich muss zurück auf die Walz.

Hakuna Matata.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Ein anderes Weihnachten

Zu aller erst mal ein verspätetes frohe Weihnachten, ich hoffe ihr hattet alle eine gute Zeit in Deutschland bei anscheinend doch recht warmem Wetter.

Ich will zuerst von den letzten paar Tagen und Wochen berichten, es ist nicht so viel passiert als dass ich dafür allein einen Post machen wollte, aber Weihnachten war es dann doch wert das Laptop auszupacken und mal wieder zu schreiben.
An Neuigkeiten gibts wie gesagt wenig zu berichten. Die Zeit fliegt an mir vorbei und ich habe Probleme, alle Ereignisse hier zu verarbeiten und einzuordnen. Der Alltag in einem Hostel ist wunderbar, vollkommen unbeschwehrt, das Wetter hier macht die Situation nur besser. Also hatte ich viel Zeit der letzten Wochen mit rumlungern und chillen verbracht, viel am Pool oder in unserer wunderbaren Küche.


Einer der Amerikaner, mit denen ich mich unter anderem am besten verstehe, hat mit mir vor etwa 10 Tagen auch ein Spiel im Hostel ins Leben gerufen: Wir spielten eine Runde Assassin.

Im Prinzip ist das eine Schlacht mit Wasserpistolen, die mehrere Tage, wenn das Spiel entsprechend groß begangen wird auch Wochen und Monate gehen kann. Jeder Spieler bekommt sein erstes Ziel und ein paar Basisinformationen über die Person in einem Umschlag und hat nun 48 Stunden, diese Person zu töten. Das funktioniert, indem man diese Person nass macht, sei es durch brutales erschießen mit einer Wasserpistole oder ganz unscheinbar mit einem einzelnen Tropfen, auf einem Finger balanciert und auf der Schulter des nichtsahnenden Opfers aufgetragen.
Das ganze wird dann durch ein paar Safe-Zones ergänzt, die verhindern, dass sich schon beim Frühstück alle in einem mexican standoff erschießen (das gesamte Backpacker-Grundstück zum Beispiel).

Also waren für 4 Tage einige der Backpacker hier relativ paranoid und verließen das Hostel nur im Notfall. Ich selbst hab es nicht durch den ersten Tag geschafft, ich war zum Kino verabredet, eine Information die leider öffentlich war, also ein einfacher Kill für meinen Assassinen. Der hat es aber dann in die Top 3 geschafft, ich bin also nicht unzufrieden.
Am Ende gab es noch ein Pistolenduell der Finalisten, die dann ein Unentschieden beschlossen. Die spektakulärsten Tode wurden am Ende auch geehrt, es gab unter anderem ein Drive-By Shooting, ein Eiswürfel im T-Shirt und ein Mord im Auto, bei dem der Mörder sich im Auto versteckt hatte.

Ich weiß, ziemlich nerdig. War aber der Hammer.

Ich bin außerdem nicht mehr arbeitslos, habe eine Kellnerstelle in der Innenstadt ergattern können. Mein Chef is vollkommen verrückt, aber an sonsten bin ich zu frieden. Müssten nurnoch mehr Schichten für mich kommen, aber anscheinend ist zwischen Christmas und Neujahr hier doppelt so viel los wie sonst.

Wobei wir auch schon bei Weihnachten wären. Wir als Deutsche sind ja eher komisch, denn wir feiern ja am 24. schon, hier wird das eigentliche Geschenkeauspacken erst am 25. begangen. Hier wurde unter den Leuten, die schon länger hier sind, gewichtelt, etwas schwieriger als sonst wie ich fand, weil ich dann doch die Person nicht so in Tiefe kenne. Es war eine Schottin die hier immer leckere Muffins verkauft, also gabs Scotch und Muffinförmchen, sie hat sich gefreut. Für mich gabs einen Kinogutschein, da hat sich der Amerikaner, der mich hatte, die Sache einfach gemacht :D

Das Weihnachtsfest für mich beinhaltet aber dann doch den 24. Es ging für die, die wollten, an den Strand hier. Am Nachmittag hatte ich ein Gericht ausprobiert, dass ich am 25. in das große gemeinsame Dinner einbringen wollte, und ich habe mittlerweile echt großen Respekt für jeden, der seine Maultaschen selber macht. Kranker Arbeitsaufwand, alleine hab ich nur für eine Testportion zwei Stunden gebraucht. 
Aber ja: Strand. Um 20:00 Uhr ging ein erster Bus vom Hostel direkt, und wir haben quasi die halbe Nacht dort verbracht. Zum Anfang gab es noch genug Sonne, um kurz in das warme Wasser zu springen, danach wurden die paar großen Balken Treibholz, die rumlagen, in einen Kreis gelegt und man hat sich bei einem Bier oder Cider gepflegt unterhalten. Als das Licht dann doch zu schlecht wurde, haben wir einfach ein Feuer eröffnet. Nichts was wir da gemacht haben war legal, aber hey. Niemandem geschadet, keine Polizei, wir hatten nichts zu verbergen (Das Feuer war von der Hauptstraße aus deutlich sichtbar). Vielleicht war einfach Weihnachten.

Zurück im Hostel wurde dann noch ein wenig weiter geredet bevor sich dann alle ins Bett aufgemacht haben, der eigentliche Weihnachtstag war dann auch eher anstrengend.
Erstmal in aller Herrgotsfrüh aufstehen, um mit der Familie am Weihnachtstisch zu skypen, dann arbeiten. Das WWOOFing hat sich zum Glück aufs Nötigste beschränkt, wir mussten fast keine Betten machen und alle konnten etwa eine Stunde vor Ende ihre Arbeit niederlegen und die kleinen Geschenktüten, die wir von den Hostelbesitzern bekommen haben, auspacken.
Danach wurde das bereits erwähnte Wichteln begangen, was sich schon ziemlich nach Weihnachten angefühlt hat, wenn man mal die 28° draußen außer Acht gelassen hat. 
Danach hatte ich noch Hilfe beim zweiten Anlauf an die Maultaschen (leider leider vegetarisch, es ist eher so unmöglich in einem Land ohne Metzgereien an Kalbsbrät zu kommen), also hatten wir relativ bald eine Menge, die einem Potluck Dinner gerecht wurde. Das wurde dann um 7 abends begangen, und als dann doch alle ihren Platz an unserer langen Tafel gefunden hatten und das Essen auf den Tischen drum herum verteilt war hatte ich einen kurzen Moment, an den ich mich doch erinnern werde. 

Das Essen ist fertig, ich kenne die Leute um mich herum, und ich schaue so in die Runde. Leute von fast ganz West-Europa, Amerikaner, Südamerikaner, ein Japaner. Ich atme tief ein und muss lächeln, und ich fühle mich geborgen, genau am richtigen Platz um dieses Weihnachten zu begehen, vollkommen ohne Sorgen. Mit Menschen, die ich sehr gute Freunde nennen kann, die alle, mit mir, diese Geschichte teilen. Der Amerikaner, mit dem ich hier viel mache, hat genau den gleichen Gesichtsausdruck wie ich, und ich spreche ihn darauf an. This feels right ist der Ausdruck, den wir beide finden. What more could we ask for?

Und so wird das Essen begonnen, der Rest des Abends und der Nacht in besinnlichem Beisammensein, ohne Streit, Stress, alles ist entspannt. Die Nacht ist warm und wir sitzen draußen, bis wir aus Lärmschutzgründen dann doch in die Küche gehen. Ich habe an diesem Tag noch einmal Into the Wild angeschaut, und musste mich dann doch mit Alexander Supertramp identifizieren. Happiness only real when shared. 

Das waren meine Weihnachten dieses Jahr, ich hoffe ich langweile euch nicht zu sehr mit meinem gewulst von emotionalen Beschreibungen.

Hakuna Matata

Freitag, 7. Dezember 2012

Living the dream

So, mal wieder habe ich es in die Bücherei geschafft um euch von meinem täglichen Leben zu berichten. Ich bin mittlerweile fast 2 Wochen hier am arbeiten und hab ausser den Toiletten schon jeden Job mal an die Backe bekommen. 



Meistens darf ich aber zum Glück staubsaugen, die beste Arbeit um Kopfhörer anzuziehen und einfach die Welt auszuschalten, zusammen mit dem eigenen Hirn. Wer das Bild im Facebook noch nicht gesehen hat, ja, das ist der Staubsauger hier :D


An sonsten passiert echt wenig hier. Neue Freunde gefunden, manche gehen nach ein paar Tagen wieder, andere bleiben, andere arbeiten jetzt im Hostel etc. Alles sehr in Bewegung, und irgendwie sitze ich zwischen den Stühlen und verfolge, was sich so wohin bewegt. Zu mindest fühlt es sich so an.




Ich habe zwei Mädels aus Fellbach hier die auch WWOOFen mit denen ich mich ziemlich gut verstehe, aber an sonsten sind hier dann doch vergleichsweise wenig Schwaben in der Gegend. Viel Hamburger und Münchner, der Rest kommt irgendwie aus dem Ruhrpott. 

Dann habe ich auch schon mein Weinachtspaket losgeschickt, dauert wohl ewig bis der Spaß in Deutschland ankommt. Hier im Hostel wird sicherlich gewichtelt, die Fellbacher sind für Schrottwichteln, also findet irgendwas in dieser Art statt.

Naja, das wars eigentlich. Oh, fast vergessen, ich hatte einen Bart. Nach 3,5 Wochen, in denen ich versucht hatte, einen wachsen zu lassen, musste ich am Ende doch eingestehn, dass ich das noch nicht kann. Naja. Hier das nicht so glorreiche Foto meiner mittlerweile wieder abrasierten Gesichtsbehaarung :D


Joa, das wars so an persönlichen Updates. Hab noch ein paar Bilder, die euch vielleicht interessieren, also hau ich die mal kommentarlos raus. Eher willkürlich ;)

Hakuna Matata

Ratet mal von welcher Marke meine neue Zahnpasta ist


Intelligente Marketingstrategie die Coke hier am laufen hat

Hats leider auch hier her geschafft

Leicht bekiffter Teddybär





Sonntag, 2. Dezember 2012

Heaphy: Letzter Tag

Der letzte Tag einer Wanderung, bei der schon am zweiten Tag Blasen auftreten, kann relativ kurz und griffig beschrieben werden: Hölle.

Und genau das wars leider auch. Die letzten 16km bis zum anderen Ende des Tracks verlaufen komplett an einer quasi unberührten Küste. Schöne Strände, Palmen, alle Nase lang fließt ein Fluss ins Meer, der per Brücke überquert werden muss. 
Das alles habe ich aufgenommen, aber ich konnte das in dem Moment nicht direkt genießen, weil ich einfach nur raus wollte. So ist das leider, wenn jeder Schritt irgendwie wehtut. Ich war ziemlich heftig im Tunnel, also lasse ich einfach die Bilder, die ich gemacht habe, für sich sprechen.


Challenge
















Am Parkplatz habe ich dann ein älteres Pärchen aus Westport getroffen, die mich bis Karamea mitgenommen haben, Trempen geht hier hervorragend. 
Mein Hostel für den Abend war ziemlich cool, sehr grün angehaucht der Schuppen, mit eigenem Gemüsegarten, Regenwasser als Wassereservoir, organischem Kram und so... Aber lustig wars. Habe eine Hawaiianerin getroffen, mit der ich mich verabredet habe, wenn ich dann auch auf der Insel bin. Nach einem kurzen Snack (Fish and Chips) und einem Ausflug in den Supermarkt der Stadt konnte ich mich erstmal ein paar Stunden hinlegen, bevor ich ziemlich fertig wieder aufwache. 
Der Abend verlief dann so, dass ich das Cider, das ich gekauft hatte, halb leer getrunken habe und dann wie ein Stein wieder ins Bett gefallen bin. Vorher konnte ich allerdings noch ein Feature des Hostels ausprobieren: Die eigene Radiostation.

Und ja, hier läuft die Aufnahme des hervorragenden Kreisjugendorchesters Böblingen tatsächlich. Im gesamten Einzugsgebiet (ca. 1000 Personen) kann also jederzeit, wenn alle Musik auf shuffle läuft, unser supertolles Orchester im Radio gehört werden. Die Leute, die da gearbeitet haben, meinten, es hören geschätzt so 6-7, manchmal auch 8 Leute auch wirklich zu. Also krasser Fame den wir da bald haben.

Das wars eigentlich von meinem kleinen Ausflug uns Hinterland. Das nächste, was kommt, sind komische Bilder von mir. Immerhin ist der No-Shave-November, den ich spät begonnen habe (11.11.), vorbei, und es gibt ein Beweisfoto. Außerdem folgt ein kurzer Bericht über meine Tätigkeit hier im Hostel, ich bin der hauseigene Ghostbuster. 

Hakuna Matata

Donnerstag, 29. November 2012

Heaphy: Tag 4

So, alle Daheimgebliebenen, es geht weiter. Ich muss vormittags hier immer arbeiten und war die letzten 2 Tage auf Jobsuche am Nachmittag, also wenig Aktivität meinerseits. 

Tag 3:

Gestern habe ich dann doch lieber nicht im Zelt geschlafen, das Wetter war mir nicht stabil genug. Da kein Ranger da war, erlaubte ich mir eine Nacht in der Hütte, sicherlich nicht weiter tragisch.


Der dichtere Farnwald der Westküste
Interessant, was hier für Leute durchkommen
Nachdem die Kiwi-Gruppe mal wieder zu unchristlicher Zeit aus der Hütte war stand ich erst auf, als sie die Tür zumachten. Erstmal Tee und Frühstück, danach raus. Der Wald um mich herum wird immer höher und dichter, und es geht endlich mal richtig bergab. Da die Landschaft im großen und ganzen nicht sonderlich spektakulär ist (verglichen mit den letzten Tagen) brauche ich auch nicht lange bis zum Lewis Hut, direkt am 

Zusammenfluss von Lewis und Heaphy River. Da hier eine Brücke eingebrochen war muss ich den Fluss so durchqueren.

Also Schuhe aus, Hose hochgekrempelt. Die Brücke über den Heaphy River selber steht noch, macht aber die Überquerung nicht direkt einfach. Das ist wieder so eine Stahlseilkonstruktion wie in den Gouland Downs, nur diesmal deutlich länger (ca. 50-60m), und im der Flussschneise natürlich dem Wind, der von der Küste mittlerweile doch ordentlich pfeift, voll ausgesetzt. Das ganze Ding schwankt zur einen Seite und ich glaube, ich habe mehrere Minuten gebraucht um diese kurze Distanz zu überwinden -.-




Kauri




Danach folgt der Weg dem Fluss, Palmen und Farne machen den größeren Kauri-Bäumen platz, die ziemlich alt aussehen, die Landschaft ist von ziemlich zerworfenen Felsformationen bestimmt. Das ganze Gebiet ist anscheinend noch nicht mal 15.000 Jahre über Wasser, was diese interessante Pflanzenwelt erklärt.




Meine Füße habe keinen Bock mehr, Tag 3 will irgendwie nicht aufhören, obwohl es eigentlich nur bergab geht. Ich bin dann doch sehr froh als ich die Meeresluft rieche und den Heaphy Hut erreiche, direkt an der Mündung des Flusses ins Meer.

Zelt aufschlagen und erstmal erkunden, wo ich am Strand diesen angeblichen Handyempfang habe. Und tatsächlich gibts hier einen Balken, genug um kurz eine SMS an Laura loszuwerden, dass ich noch lebe. 
Man mag Possums wohl nicht. Die hier wurden gebacken

Danach gibts essen (Überraschung: Nudeln mit Pesto). Mittlerweile sind auch 2 Holländer und 2 Australier angekommen. Ich gehe mal in die Hütte und schaue, ob die andere Reisegruppe wieder Karten spielt wie die Abende davor, aber es ist niemand wirklich da.


Mein zweites Abendessen besteht aus den Resten dieser Reisegruppe, quasi ein Festmal: Lachsfilet mit Kuskus, dazu Broccoli und ein kleiner Beilagensalat. Schon krass wie viel Luxus die Damen hier haben.









Den Sonnenuntergang haben wir dann auch noch beobachtet, trotz der 3 Milliarden Sandflies, die es hier wieder gibt, bevor ich ins Bett gehe.


Dienstag, 27. November 2012

Heaphy Track Day 3 und Lobeshymnen an unsere unglaublich intelligenten und kompetenten Rezeptionisten!

So, ich habe dann heute doch gearbeitet im Hostel, am Nachmittag ist einer der Wwoofer ausgechekt, was einen weiteren unbemannten Posten in den Reihen der Angestellten hier heist. Glücklicherweise war unsere (immerhin nette, aber trotzdem noch etwas inkompetente) Rezeptionsfrau so freundlich, mich dann doch als den anzuerkennen, der den Platz als erstes haben sollte. Also arbeite ich jetzt im Hostel jeden Vormittag 3 Stunden, dafür darf ich kostenlos übernachten, habe 2 Mahlzeiten am Tag und kostenloses Wäschewaschen, das ich aber immer noch selber machen muss :(

Soviel zu den Entwicklungen hier, dann zurück zum Heaphy-Track!


Tag 3


Die Nacht im Hüttenbett war sehr erholsam, gegen 7:30 Uhr war ich hellwach und ausgeruht. Einer der Guides ist Deutscher, es gibt also fast keinen Ort, an dem wir hier nicht sind. 


Die Gouland Downs
Die Gruppe teilte sich auf, die Teilgruppe, die den Track in 4 Tagen (wie ich) macht, ist gegen 8 aus der Hütte, ich gebe ihnen etwa 20 Minuten Vorsprung und gehe dann in die Verfolgung. Der Weg verläuft erst ein wenig durch Wald, bevor er den Blick auf die weitläufigen Gouland Downs freigibt, eine von Flussbetten tief durchzogene Hochebene. Man kann die nächste Hütte schon sehen, läuft dann aber doch noch eine ganze Weile durch dieses von Gräsern dominierte Flachland, bis man tatsächlich da ist. Auf dem Weg findet sich ein Holzpfahl, an dem Wanderer ihre alten Schuhe hängen lassen, auch ein netter Gimmick. 







Die Spitzengruppe hatte gerade gerastet und zieht weiter, als ich ankomme. Um den Tisch und das kleine Gartenstück zieht gemütlich ein Weka, eine Art Freilandhuhn. Die können nicht fliegen und sind auch ziemlich an allem interessiert, was man rumliegen lässt, sind also neugierig, aber eher lästig in meinen Augen :D




Nach ein paar Minuten ziehe ich auch weiter, der Weg führt nun kurz durch einen atemberaubenden, moosüberwucherten Wald mit bizarren Steinformationen die ich mir so garnicht erklären kann. Auch hier muss ich kurz anhalten bevor ich weiter über die Downs verfolge. 




Ein Teil des folgenden Gebietes ist sehr sumpfig und im allgemeinen nicht so von Flüssen durchschnitten. Die beiden, die es dort gibt, muss man mit Hängebrücken überqueren, was ich einfach mal gefilmt habe. Leider zu groß um das hochzuladen :/



Davon abgesehen kann ich mir, wenn das Wasser hier etwas höher steht, sehr gut die Totensümpfe vorstellen, die man in dem Herrn der Ringe sieht. 















Die Spitzengruppe ist hier wieder in Sichtweite, also lasse ich mir wieder Zeit, so lange ich noch diese Landschaft um mich habe. Erst mit dem Szenenwechsel zurück in eine Art Farnwald mit Anstieg ziehe ich das Tempo wieder an und komme fast zeitgleich mit der Southern-Wilderness-Gruppe am Saxon Hut an, wo es erstmal Mittagessen gibt (Abwechslung muss sein, es gibt Brot mit Salami). 
Immernoch diese Sumpflandschaft



Ich verabschiede mich früher und ziehe zuerst weiter, der Track steigt jetzt erstmal wieder an. Auf 3/4 Höhe werde ich kurz überholt, weil ich die Aussicht zu lange genossen habe, bevor es weitergeht und ich in den Mackay Downs, einer Hochebene mit Canyon-Ähnlichkeiten, das Peleton wieder überhole.

Eine der alten Weg- und Distanzmarkierungen



Der Rest bis zur Hütte ist ziemlich, ziemlich schön, sieht aus wie Steppe, ist aber alles immernoch Sumpf. Mittendrin muss ich mehrmals anhalten, das einzige, was ich höre, ist immer das leise Plätschern von Bächen und Vögel. 

Es dauert, bis ich den James Mackay Hut erreiche, ca. 10 Minuten vor meinen Verfolgern. Zum Abend gibt es verrückte Abwechslung: Meine Pesto Rosso ist leer, dieses mal gibt es grüne Pesto!

Also erstmal Zelt aufgeschlagen und Richtung Fluss, um mich wenigstens ein wenig abzukühlen, ich habe kein Duschgel dabei. Die Wolken scheinen ein wenig dunkel, also gehe ich recht bald wieder zurück um meine Habseligkeiten wettertauglich zu machen.